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Strukturiertes Arbeitsergebnis

Glossar

38 Begriffe, die auf den Exploration-Seiten häufig vorkommen und in unserem Kontext nicht alltäglich sind. Pro Begriff: ein Satz für den Tooltip, ein Absatz für die volle Definition, wo sinnvoll Verweise auf die laufenden Bausteine. Zwei Einträge sind als „In Vertiefung" markiert, ihre Quellen oder Anwendung auf unser Modell sind noch offen.

Vergabe & Mechanik

8 Begriffe

Vergabemodus

Die Methode, mit der ein Fonds Mittel an Empfänger:innen verteilt. Bei uns: Verlosung, Community-Gremium, Fachgremium oder hybride Modelle.

Der Vergabemodus ist die zentrale Entscheidungs-Achse jedes Fonds: Wer entscheidet, wer Geld bekommt, und mit welcher Mechanik? Vier Grundvarianten stehen im Raum: Verlosung (Zufall unter geprüften Anträgen), Community-Gremium (Mitglieder stimmen ab), Fachgremium (Jury entscheidet) oder hybride Modelle, die zwei dieser Mechaniken kombinieren. Die Wahl prägt Aufwand, Fairness, Bias-Anfälligkeit und die Außenwirkung des Fonds.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi

Verlosung im Förder-Kontext

Zufallsauswahl aus einem Pool geprüfter Bewerbungen. Rechtlich Gewinnspiel (kostenlose Teilnahme), nicht Lotterie (kostenpflichtige Lose).

Im Förder-Kontext meint Verlosung den Einsatz eines Zufallsverfahrens, um Mittel auf eine Gruppe vorab geprüfter Bewerbungen zu verteilen. Rechtlich strikt zu unterscheiden: Eine Lotterie liegt vor, wenn Teilnehmende ein Los gegen Bezahlung erwerben. Sie ist genehmigungspflichtig, lotteriesteuerpflichtig, die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) überwacht und ahndet Verstöße. Ein Gewinnspiel vergibt Lose ohne finanzielle Gegenleistung der Teilnehmenden, die rechtlichen Anforderungen sind anders gelagert. Unsere geplante Förder-Verlosung soll als Gewinnspiel ausgestaltet sein: Teilnahme ohne Einsatz, Auszahlung als Förderung statt als Gewinnausschüttung. Trotzdem ist eine rechtliche Klärung zur Abgrenzung in Verbindung mit B11 und B20 nötig.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi · B11 Gemeinnützigkeit & Absetzbarkeit · B20 Steuern und Compliance

Vollverlosung vs. teil-randomisiertes Verfahren

Ob alle förderfähigen Anträge ins Los gehen (vollständig) oder nur eine durch Jury gefilterte Mittelgruppe (partiell).

Vollverlosung bedeutet: Alle Bewerbungen, die formale Förderkriterien erfüllen, gehen gleichberechtigt ins Los. Beispiel: Mein Grundeinkommen. Teil-randomisiertes Verfahren bedeutet: Eine Jury filtert vorab nach inhaltlichen Qualitätskriterien, nur die positiv bewerteten Anträge kommen in den Lostopf. Beispiel: VolkswagenStiftung „Experiment!". Die partielle Variante mindert das Risiko offensichtlicher Fehlauswahlen, die vollständige Variante minimiert Bias und Aufwand am stärksten.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi

Pre-Lottery / Vorlotterie

Das Los kommt VOR der Begutachtung. Modell der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.

Die Pre-Lottery dreht die übliche Reihenfolge um: Statt erst zu prüfen und dann zu losen, lost man zuerst aus den Interessensbekundungen, und nur die ausgelosten Antragsteller:innen reichen einen Vollantrag ein. Im Programm „Freiraum" der Stiftung Innovation in der Hochschullehre senkte das die gesellschaftlichen Kosten (Zeitaufwand für Antragstellende, Gutachter:innen, Verwaltung) um etwa 68 % und erhöhte den Frauen-Anteil unter Geförderten um 23 %.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi

Jury + Los (teil-randomisiertes Verfahren)

Jury filtert vorab, Los entscheidet im Pool der Verbleibenden. Modell VolkswagenStiftung „Experiment!" (2017 bis 2021).

Beim Jury-plus-Los-Verfahren beurteilt eine Fachjury die Anträge zuerst nach inhaltlichen Kriterien und sortiert die nicht-förderfähigen aus. Aus der übrigen Gruppe wird per Zufall gezogen. Im Programm „Experiment!" der VolkswagenStiftung wurden zwischen 2017 und 2021 insgesamt 183 Projekte je 120.000 € auf diese Weise gefördert. Die Begleitforschung zeigte hohe Akzeptanz und mehr methodische Vielfalt als bei klassischer Peer-Review.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi

Tiebreaker-Los

Los nur als Entscheider in der Mittelgruppe „gut aber nicht herausragend". Modell Swiss National Science Foundation.

Das Tiebreaker-Los ist die mildeste Form der Randomisierung in der Forschungsförderung: Die Jury entscheidet bei klar herausragenden und klar abzulehnenden Anträgen direkt. Nur in der mittleren Gruppe, wo Begutachtungen objektiv nicht trennen können, fällt das Los. Die Swiss National Science Foundation setzt dieses Verfahren seit 2019 ein und verfeinerte es mit einer Bayes-statistischen Methode zur konsistenten Gruppenbildung.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi

Threshold-Matching

Ein:e Großgeber:in verdoppelt, sobald eine Schwellensumme durch viele Mikrobeiträge erreicht ist.

Threshold-Matching ist eine Anreiz-Mechanik, bei der eine größere Geldgeber:in zusagt, einen Beitrag zu verdoppeln (oder zu verdreifachen), aber nur, wenn die Crowd zuvor eine definierte Schwellensumme erreicht. Der Effekt: Aktivierung, sichtbare Kampagnen-Dynamik, klare Etappenziele. Geförderte Vorhaben werden bewusst eingebunden, ihre eigene Reichweite zu nutzen, um den Threshold zu knacken (B18-Mechanik).

Anschluss an Bausteine: B18 Kampagnen-Push & Threshold-Matching · B15 Anreize & Matching

Cascade Funding

EU-Mechanik, bei der eine Mittler:in EU-Förderungen weitergibt. FundingBox-Geschäftsmodell.

Cascade Funding (auch Financial Support to Third Parties, FSTP) ist ein EU-Förderverfahren, bei dem ein:e Hauptempfänger:in eines EU-Programms, meist ein Konsortium oder eine spezialisierte Plattform wie FundingBox, die Mittel in Form kleinerer, vereinfachter Förderungen an Startups und KMU weiterreicht. Vorteil: schnellere Antrags- und Auszahlungsprozesse für Empfänger:innen, geringere bürokratische Hürden als direkt aus Brüssel.

Werte

5 Begriffe

Soziale Marktwirtschaft / „Wohlstand für alle"

In Vertiefung

Politisch-ökonomisches Leitbild der deutschen Nachkriegszeit: Wohlstand entsteht durch Markt plus soziale Bindung, nicht durch Bereicherung weniger.

Die soziale Marktwirtschaft als Leitbild verbindet marktwirtschaftliche Mechanik mit gesellschaftlicher Bindung des Wirtschaftens. Drei Nachkriegs-Dokumente prägten dieses Bild: das Ahlener Programm der CDU (1947), das Bad-Godesberger Programm der SPD (1959), und Ludwig Erhards Buch „Wohlstand für alle" (1957). In unserer Herkunftsgeschichte wird auf dieses Leitbild Bezug genommen: Probleme entstehen nicht durch Gewinn, sondern durch dessen Konzentration. Die genaue Quellen-Auswertung der drei Dokumente und ihre saubere Anwendung auf unser Modell stehen noch an (markiert in Kapitel 7 der erweiterten Herkunftsfassung).

Anschluss an Bausteine: B1 Rechtsform & Governance · B11 Gemeinnützigkeit & Absetzbarkeit

Vertrauenskapital

Kapital, das Menschen aktiviert statt Risiko zu minimieren. Zentrale Vokabel der Herkunftsgeschichte.

Vertrauenskapital ist die Leitidee, dass Geld Menschen aktivieren kann, wenn es bedingungslos und ohne kleinteilige Prüfverfahren ausgereicht wird. Anders als ein Kredit, der primär Risiko minimieren soll, oder ein Stipendium mit Berichtspflichten, gibt Vertrauenskapital den Empfänger:innen Freiheit. Die Kontrolle erfolgt nicht durch Prüfungen im Einzelfall, sondern durch wissenschaftliche Begleitforschung über die Gesamtkohorte.

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur · B2 Wirkungs- & Mess-Modell · B6 Wissenschaft

Vertrauensboost

Projekteigene Kategorie für unsere Kapital-Hingabe. Vertrauens-Vorschuss statt klassischer „Förderung" mit Würdigkeits-Prüfung.

Vertrauensboost ist die im Team gesetzte Kategorie für das, was wir tun. Klassische „Förderung" trägt prüfende und gönnerhafte Konnotationen, „Stipendium" suggeriert Verdienst, „Investment" suggeriert Rendite-Erwartung. Vertrauensboost setzt sich davon ab: Kapital wird als Voraussetzung für Handlungsfähigkeit gegeben, nicht als Belohnung nach Würdigkeits-Prüfung. Anschluss an [[vertrauenskapital]], [[effectuation]] und [[kontrafaktische-behandlung]]. Der Begriff macht deutlich, dass unsere „Geförderten" nicht in einem Bittsteller:innen-Verhältnis stehen, sondern in einem Vertrauens-Verhältnis auf Augenhöhe. Eingeführt 2026-06-02 im Felix-Oldenburg-Werkstatt-Deck.

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur · B4 Förderkriterien & Programmatik

Naked in, naked out

Eigentums-Konstruktion: man tritt ohne Vermögensanteil ein und ohne ihn wieder aus. Der Gewinn dient dem Zweck, nicht der Entnahme.

Der Grundsatz „Naked in, naked out" stammt aus dem Steward-Ownership-Diskurs und bedeutet: Wer Verantwortung im Unternehmen übernimmt, bringt kein Eigentum mit und nimmt auch kein Eigentum mit, wenn sie geht. Gewinne werden nicht an Eigentümer:innen ausgeschüttet, sondern dienen ausschließlich dem Unternehmenszweck. Die Gewinner:in „kann alles nehmen, muss aber nicht", und entscheidet sich rechtlich gebunden für die zweite Option.

Anschluss an Bausteine: B1 Rechtsform & Governance

Steward Ownership / Verantwortungseigentum

Juristische Variante, bei der Eigentum an den Zweck gebunden ist, nicht an Personen oder handelbare Anteile.

Steward Ownership (im Deutschen: Verantwortungseigentum) bezeichnet Unternehmensstrukturen, bei denen die Stimmrechte an die Personen gehen, die das Unternehmen tatsächlich tragen, während Kapitalerträge an den Unternehmenszweck gebunden bleiben. Anteile sind nicht handelbar und können nicht vererbt werden. Bekannte Beispiele in Deutschland: Bosch-Stiftung, Carl Zeiss Stiftung, sowie zahlreiche neuere Sozialunternehmen.

Anschluss an Bausteine: B1 Rechtsform & Governance
Rechtsform & Recht

4 Begriffe

gGmbH (gemeinnützige GmbH)

Gemeinnützige GmbH, anerkannte Rechtsform für mission-getriebene Organisationen mit Steuervorteilen und Auflagen.

Die gGmbH ist eine GmbH mit Zusatz „gemeinnützig", sie verfolgt steuerbegünstigte Zwecke nach §§ 51 bis 68 AO. Vorteile: Spenden sind absetzbar, das Unternehmen ist von Körperschaftssteuer befreit. Auflagen: Ausschüttungen an Gesellschafter:innen sind ausgeschlossen, Mittel müssen zeitnah zweckgebunden verwendet werden, jährliche Anerkennung durch das Finanzamt ist nötig.

Anschluss an Bausteine: B11 Gemeinnützigkeit & Absetzbarkeit · B1 Rechtsform & Governance

GmgV (Gesellschaft mit gebundenem Vermögen)

Junge deutsche Rechtsform-Diskussion, die Steward Ownership formell verankern soll.

Die GmgV ist ein aktuell diskutierter Rechtsform-Vorschlag in Deutschland, der Steward Ownership formell verankern soll, ohne dass Umwege über Stiftungs-Konstruktionen oder anglo-amerikanische Trusts nötig wären. Kerngedanke: Das Vermögen ist dauerhaft an den Unternehmenszweck gebunden, Anteile sind nicht handelbar, Stimmrechte und Kapitalerträge sind entkoppelt. Stand 2026 ist die Rechtsform noch nicht in Kraft, aber im Diskussionsstand fortgeschritten.

Anschluss an Bausteine: B1 Rechtsform & Governance

Treuhandstiftung

Gemeinnützige Stiftung, die rechtlich von einer Trägerorganisation verwaltet wird. bcause-Modell.

Die Treuhandstiftung (auch unselbständige Stiftung) ist eine gemeinnützige Stiftung ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Sie wird von einem Treuhänder, meist einer rechtsfähigen Trägerstiftung oder gemeinnützigen GmbH, verwaltet. Vorteile: schnellere Gründung, geringere Kosten, einfachere Verwaltung. Beispiel: bcause arbeitet mit einer staatlich als gemeinnützig anerkannten Treuhandstiftung unter unabhängigem Vorstand.

Anschluss an Bausteine: B11 Gemeinnützigkeit & Absetzbarkeit

Glücksspielrecht (§ 33 Rennwett- und Lotteriegesetz)

Norm für jede Verlosungs-Mechanik. Berührt B11 (Gemeinnützigkeit) und B20 (Compliance).

Das deutsche Glücksspielrecht regelt die Veranstaltung von Lotterien und Glücksspielen über § 33 des Rennwett- und Lotteriegesetzes sowie den Glücksspielstaatsvertrag. Veranstaltungen brauchen je nach Ausgestaltung eine Erlaubnis durch die Glücksspielaufsicht des jeweiligen Bundeslandes oder die zentrale Gemeinsame Glücksspielbehörde (GGL). Für eine Förder-Verlosung ohne Einsatz und ohne Gewinnausschüttungs-Charakter sind die rechtlichen Anforderungen anders gelagert als bei klassischen Glücksspielen, Klärung mit Steuer-/Glücksspiel-Anwält:in ist nötig.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi · B11 Gemeinnützigkeit & Absetzbarkeit · B20 Steuern und Compliance
Methodik

8 Begriffe

Wunderfrage / Was-wäre-wenn

Methodisches Werkzeug aus systemischer Coaching-Tradition: „Wenn heute Nacht eine Fee käme und du einen Wunsch frei hättest, wie sähe dein Unternehmen dann aus?"

Die Wunderfrage stammt aus dem lösungsorientierten Kurzzeit-Coaching (Steve de Shazer, Insoo Kim Berg) und wird im u-institut-Methodenbestand eingesetzt, um eingefahrene Denkmuster zu öffnen. Sie macht sichtbar, dass nichts so sein muss, wie es ist (Kontingenz), und schafft die Voraussetzung für das, was Hartmut Rosa Resonanz nennt: dass die Welt antwortet, wenn wir sie anders befragen. In der erweiterten Herkunftsfassung als zentrale Was-wäre-wenn-Dimension benannt, ergänzt um den geplanten Anschluss an die Strategische Kreativität nach Frand.

Anschluss an Bausteine: B4 Förderkriterien & Programmatik · B7 Akademie

Strategische Kreativität (nach Grand)

Konzept von Simon Grand und Christoph Weckerle: Zukunft gestalten, um Gegenwart zu verändern. Methodische Vertiefung der Wunderfrage.

Strategische Kreativität ist das Buchtitel-Konzept von Simon Grand und Christoph Weckerle („Strategische Kreativität: Zukunft gestalten, um Gegenwart zu verändern"). Simon Grand ist Titularprofessor für Strategic Management und Management Innovation an der Universität St. Gallen (HSG) und Permanent Research Fellow an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Christoph Weckerle ist Co-Autor an der ZHdK. Die These: Gegenwart lässt sich nur dann substantiell reflektieren und verändern, wenn überzeugende Perspektiven für die Zukunft gestaltet werden. In der erweiterten Herkunftsfassung (Kapitel 6, Was-wäre-wenn-Dimension) als methodische Vertiefung der Wunderfrage benannt, im PDF als „Frand" notiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit Tippfehler für Grand.

Anschluss an Bausteine: B4 Förderkriterien & Programmatik · B7 Akademie

Antizyklische Förderung

Strategie, Kreativität und Mittel gezielt dorthin zu bringen, wo wenig Geld fließt. Dort entsteht der größte Hebel.

Antizyklisches Handeln (counter-cyclical strategy) bedeutet im Förder-Kontext, gezielt in Bereiche zu investieren, in denen marktwirtschaftliche Angebote dünn sind oder klassische Geldgeber:innen kaum hinschauen. Aus der erweiterten Herkunftsfassung: „In Märkten mit wenig Kreativität dominieren Geschäftsmodelle ohne neue Ideen, man verwaltet das Bestehende. Deshalb müssen wir antizyklisch handeln." Der größte Hebel entsteht dort, wo strukturelle Lücken nicht von anderen Akteur:innen gefüllt werden. Verwandte Idee: Vielfaltsproduktion als demokratisch-stabilisierende Funktion.

Anschluss an Bausteine: B4 Förderkriterien & Programmatik · B14 Problem & Wettbewerb

Bedingung vs. Voraussetzung

Bedingung ist nachträglich nicht steuerbar, Voraussetzung gilt vor und während der Auszahlung. Steuert, wie viel Verbindlichkeit ein Förder-Programm tatsächlich erzeugt.

Der Unterschied entscheidet, wie viel Steuerung ein Förder-Programm ausüben kann. Eine Bedingung wird Empfänger:innen erst nach der Vergabe auferlegt und ist praktisch kaum durchsetzbar. Eine Voraussetzung muss vor und während jeder Auszahlung erfüllt sein, der Bezug ist also tatsächlich daran gekoppelt. Mein-Grundeinkommen-Beispiel: das vom DIW begleitete Pilotprojekt knüpfte die Fortführung der Auszahlung an die Voraussetzung regelmäßiger Fragebögen, das normale Grundeinkommen war bedingungslos und nur rund 20 bis 30 % der Empfänger:innen sprachen freiwillig mit Medien. Für ein Gründungs-Stipendium relevant: Coaching-Teilnahme, Berichtspflichten oder Rückfluss-Modelle (verpflichtend oder freiwillig) sind über Voraussetzungen formulierbar, nicht über bloße Bedingungen.

Anschluss an Bausteine: B4 Förderkriterien & Programmatik · B19 Vergabemodi

Effectuation

Entrepreneurship-Theorie nach Saras Sarasvathy: Unternehmer:innen starten von verfügbaren Mitteln, nicht von festen Zielen.

Effectuation ist ein Theorie-Rahmen aus der Entrepreneurship-Forschung, formuliert von Saras Sarasvathy. Statt nach klassischer Logik ein Ziel zu definieren und dann die nötigen Mittel zu beschaffen, fragen Unternehmer:innen nach Effectuation: „Welche Mittel habe ich heute schon?" und „Welche Ziele lassen sich daraus formen?" Kein Businessplan zuerst, sondern iteratives Handeln. Kernprinzipien: Affordable Loss, Bird in Hand, Lemonade, Crazy Quilt, Pilot in the Plane.

Anschluss an Bausteine: B4 Förderkriterien & Programmatik · B7 Akademie

Kontrafaktische Behandlung

Teilnehmende werden behandelt, als wären sie längst Unternehmer:innen, bis sie es tatsächlich sind. Aus der u-institut-Methodik.

Kontrafaktische Behandlung ist ein methodisches Prinzip aus der u-institut-Tradition: Statt darauf zu warten, dass Teilnehmende sich selbst als Unternehmer:innen verstehen, behandelt das Programm sie von Anfang an als solche. Diese vorgezogene Zuschreibung wirkt aktivierend, Menschen wachsen in eine Rolle, die ihnen schon zugemutet wird. Verwandt mit der Effectuation-Logik, aber pädagogisch und identitätsbildend gemeint.

Anschluss an Bausteine: B4 Förderkriterien & Programmatik · B7 Akademie

SROI (Social Return on Investment)

Wirkungs-Maßstab, der pro investiertem Euro den gesellschaftlichen Mehrwert in Euro ausweist.

SROI quantifiziert den gesellschaftlichen Mehrwert eines Programms pro investiertem Euro. Beispiel: Eine staatliche Kosten-Nutzen-Analyse zum irischen Basic Income for the Arts ergab 1,39 € Wirkungs-Rückfluss pro 1 € investiert. Die Methode ist umstritten, weil sie qualitative Wirkung in Euro übersetzt, aber für Pitch- und Förder-Kommunikation oft unschlagbar konkret. SROI-Methoden für Frühphasen-Beteiligungen sind Gegenstand laufender Recherche (B2).

Anschluss an Bausteine: B2 Wirkungs- & Mess-Modell

Begleitforschung

Wissenschaftliche Studie, die parallel zum Programm Wirkung misst. Beispiel: DIW-Wochenbericht 15/2025 zu Mein Grundeinkommen.

Begleitforschung läuft zeitgleich zum Programm und liefert empirische Daten über Effekte, Verläufe und Mechanismen. Im Vertrauenskapital-Modell ersetzt sie die individuelle Kontrolle: Statt jede:n Empfänger:in zu prüfen, untersucht die Forschung die Gesamtkohorte. Vorbild: das DIW Berlin hat das Mein-Grundeinkommen-Pilotprojekt drei Jahre lang begleitet, 122 Empfänger:innen, 1.200 € pro Monat. Ergebnis: kein Rückzug vom Arbeitsmarkt, bessere mentale Gesundheit, etwa ein Drittel gespart, knapp 8 % weitergespendet.

Anschluss an Bausteine: B2 Wirkungs- & Mess-Modell · B6 Wissenschaft
Finanzierung & Audience

6 Begriffe

Mikrogründungen

Gründungen aus Soloselbständigkeit oder Klein-/Kleinst-Unternehmen, oft kreativ-getrieben. Erweitert den KKW-Fokus auf den gesamten Markt der Mikrogründungen.

Mikrogründungen sind Unternehmensgründungen am unteren Ende der Größenskala: Soloselbständige, Klein- und Kleinst-Unternehmer:innen, Freiberufler:innen mit eigenständigem Vorhaben. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine wichtige Teilmenge dieses Markts (97 % der KKW-Unternehmen fallen in diese Kategorie), aber er reicht weit darüber hinaus: Pflege-Selbständige, Handwerks-Gründungen, KI-Spezialist:innen im Beratungs-Modus, Tech-Soloprenuer:innen, viele weitere. Die nächste Iteration der erweiterten Herkunftsfassung soll diesen erweiterten Adressatenkreis explizit machen (markierte Offene Stelle in Kapitel 2).

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur · B8 Zielgruppen · B14 Problem & Wettbewerb

Mikroinvestor:in

Privatperson, die kleine, oft wiederkehrende Beträge beisteuert. Bei uns absichtlich nicht als „Spender:in" geframt.

Mikroinvestor:in ist die zentrale Audience-Bezeichnung unseres Modells. Die Wahl des Begriffs ist absichtlich: „Spender:in" framet das Verhältnis karitativ (Bedürftige bekommen Almosen), „Investor:in" framet es als unternehmerische Teilhabe an einem gemeinsamen Vorhaben. Mikroinvestor:innen bringen typischerweise 5 € pro Monat aufwärts ein und partizipieren an der Wirkungsgeschichte des Fonds, nicht an einer finanziellen Rendite.

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur · B8 Zielgruppen

Mikrobeitrag

Kleiner, oft monatlich wiederkehrender Beitrag. Bei uns 5 € und aufwärts.

Mikrobeitrag bezeichnet den einzelnen finanziellen Beitrag einer Mikroinvestor:in, typischerweise im niedrigen einstelligen bis mittleren zweistelligen Euro-Bereich, monatlich oder einmalig. Der entscheidende Hebel ist die Wiederholung: ein Beitrag, mal viele Geber:innen, mal viele Monate. Vorbild Mein Grundeinkommen: über 330.000 Crowd-Finanzierer:innen haben 1.439 Grundeinkommen finanziert.

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur

Großinvestor:in

Family Office, Stiftung, HNWI oder institutioneller LP mit fünfstelligem Ticket aufwärts.

Großinvestor:innen sind die institutionellen und vermögenden Geldgeber:innen mit Ticket-Größen im fünfstelligen Euro-Bereich und höher. Typische Kategorien: Family Office (privates Vermögensverwaltungs-Vehikel einer wohlhabenden Familie), Stiftung mit Impact-Mandat, HNWI (High Net-Worth Individual), institutioneller LP (Limited Partner, typische Investor:innen in klassischen VC-Fonds). Sie zeichnen größere Tickets und brauchen sachliche, datengetriebene Kommunikation (vgl. /summary).

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur · B12 Launch & Öffentlichkeit

Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)

Geld ohne Gegenleistungs-Bedingungen. Mein-Grundeinkommen-Modell und Bezugspunkt für die Verlosungs-Mechanik.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine regelmäßige finanzielle Leistung, die unabhängig von Erwerbstätigkeit, Bedürftigkeitsprüfung oder Verwendungszweck gewährt wird. In Deutschland ist Mein Grundeinkommen e. V. der bekannteste private Akteur, der BGE in Form von 12 × 1.000 € über ein Jahr per Verlosung vergibt. Die DIW-Begleitstudie hat empirisch belegt, dass BGE-Empfänger:innen sich nicht vom Arbeitsmarkt zurückziehen.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi · B2 Wirkungs- & Mess-Modell

Crowdfunding-Spielarten

Reward, Spende, Equity (Crowdinvesting), Mikrokredit (Crowdlending), vier mechanisch unterschiedliche Modelle.

Crowdfunding ist ein Sammelbegriff für vier mechanisch sehr unterschiedliche Modelle. Reward-basiertes Crowdfunding (Kickstarter, Startnext): Backer bekommen Produkt-Rewards. Spendenbasiertes Crowdfunding (betterplace, gofundme): Geldgeber:innen bekommen Spendenquittung. Crowdinvesting (Equity): Anteile an einem Unternehmen. Crowdlending: Mikrokredite mit Zins. Unser Modell ist keines dieser vier sauber, wir kombinieren Spendenmechanik mit Investitions-Framing.

Anschluss an Bausteine: B3 Finanzierungsstruktur · B14 Problem & Wettbewerb
Programme & Vorbilder

4 Begriffe

EXIST-Gründungsstipendium

Bundes-Förderprogramm aus dem BMWK für technologie- und wissensbasierte Gründungen aus Hochschulen, seit 1998.

EXIST ist das deutsche Bundesprogramm zur Förderung von Existenzgründungen aus der Wissenschaft. Es richtet sich an Hochschulabsolvent:innen, Promovierende und Studierende mit innovativen technologie- und wissensbasierten Gründungsideen. Das Stipendium läuft typischerweise ein Jahr, ergänzt durch Sachmittel und Coaching-Pauschalen. Voraussetzung: feste Hochschulanbindung. Klassischer öffentlich-staatlicher Pol gegenüber unserem Modell (vgl. B14 Vorbild-Karte).

Anschluss an Bausteine: B14 Problem & Wettbewerb · B7 Akademie

„Experiment!" der VolkswagenStiftung

2017 bis 2021, Jury-vor-Los, 183 Projekte × 120.000 €. Referenz-Modell für teil-randomisierte Forschungsförderung.

Das Förderprogramm „Experiment!" der VolkswagenStiftung lief von 2013 bis 2021 mit dem Ziel, hochriskante Forschungsideen zu unterstützen. Zwischen 2017 und 2021 wurde ein teil-randomisiertes Verfahren angewandt: Eine Fachjury wählte 80 bis 100 förderfähige Anträge aus, daraus 15 bis 20 direkt gefördert, der Rest kam in den Lostopf. Insgesamt 183 Projekte je 120.000 €. Die Begleitforschung zeigte hohe Akzeptanz, und 2020 erreichte das Verfahren die Top 10 bei den Falling Walls Foundation Breakthroughs.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi

Basic Income for the Arts (BIA), Irland

Staatliches Vollverlosungs-Programm für 2.000 Künstler:innen, 325 €/Woche, 3 Jahre, ab 2026 permanent.

Das irische Basic Income for the Arts ist mechanisch das nächste Vorbild für den Unternehmer:innenfonds. Aus 8.206 förderfähigen Bewerbungen wurden 2022 per anonymisierter Zufallsauswahl 2.000 Empfänger:innen plus 1.000 Kontrollgruppe gezogen. Jede:r erhält 325 € pro Woche über drei Jahre. Ergebnis der staatlichen Cost-Benefit-Analyse: 1,39 € Wirkungs-Rückfluss pro 1 € investiert. Ab 2026 wird das Programm permanent.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi · B8 Zielgruppen

Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL)

Deutsche Stiftung mit Pre-Lottery im Programm „Freiraum". Quelle für die −68 % Kosten- und +23 % Frauen-Daten.

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Ländern getragen und fördert Projekte zur Verbesserung der Hochschullehre. Im Programm „Freiraum" setzt sie Pre-Lottery ein: rund 6.000 Bekundungen 2024, 500 zur Vollantragstellung gelost, ca. 30 % Erfolgsquote unter den eingereichten Anträgen. Effekte: gesellschaftliche Kosten −68 %, Frauen-Anteil unter Geförderten +23 %.

Anschluss an Bausteine: B19 Vergabemodi
Sektor & Standards

3 Begriffe

Europa als kulturelle Vereinigung

In Vertiefung

Narrativ-These der erweiterten Herkunftsfassung: Europa hält nicht der Binnenmarkt zusammen, sondern eine gemeinsame kulturelle Erzählung.

In der erweiterten Herkunftsfassung (Kapitel 11) steht die These, dass Europa im Kern als kulturelle Vereinigung gedacht war: Die Identität und die Werte, die uns verbinden, halten die Gemeinschaft zusammen, nicht primär der Binnenmarkt. Daraus folgt: Kultur- und Kreativwirtschaft sind kein Beiwerk, sondern Fundament. Die genaue argumentative Verbindung zu Skalierungs-Theorien, insbesondere bei Professor Häusling und aus Reise-Erfahrungen der Wittener Studienzeit, ist noch nicht mit Quellen unterlegt. Markiert als Offene Stelle für die nächste Iteration der Herkunftsfassung.

Anschluss an Bausteine: B16 Fundraising-Recht in Europa · B14 Problem & Wettbewerb

Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW)

Sektor mit rund 1 Mio. Beschäftigten in 240.000 Unternehmen, 137 Mrd. € Umsatz in DE. Die Start-Zielgruppe.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft umfasst in Deutschland rund 1 Million Beschäftigte in etwa 240.000 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von etwa 137 Milliarden Euro und einer Bruttowertschöpfung von rund 64 Milliarden Euro, damit liegt sie noch vor Chemie- und Energiewirtschaft. 97 % der Unternehmen sind Klein-, Kleinst- und Mikrounternehmen, Soloselbständige und Freiberufler:innen. Genau diese fallen durch die klassischen Förderraster, und sind die Start-Kohorte unseres Fonds.

Anschluss an Bausteine: B8 Zielgruppen · B14 Problem & Wettbewerb

B Corp (Certified B Corporation)

Zertifizierung für Unternehmen, die soziale und ökologische Standards erfüllen. Status von bcause und Startnext.

Eine Certified B Corporation („B Corp") ist ein Unternehmen, das durch die unabhängige Organisation B Lab zertifiziert wurde und nachweislich hohe Standards in Bezug auf soziale und ökologische Wirkung, Transparenz und Rechenschaft erfüllt. Die Zertifizierung umfasst fünf Bereiche: Governance, Mitarbeiter:innen, Community, Umwelt und Kund:innen. Sie ist nicht rechtsverbindlich (anders als gGmbH), aber ein wachsender Marktstandard für Impact-orientierte Unternehmen. bcause und Startnext sind zertifiziert.

Anschluss an Bausteine: B14 Problem & Wettbewerb · B3 Finanzierungsstruktur
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