Lotterie
Loskauf ist verpflichtend, wer kauft, gewinnt.
Wie verteilen wir die Mittel an Gründer:innen? Verlosung unter geprüften Bewerbungen, Community-Gremium, Fachgremium, hybride Modelle. Welche Modi sind werte-konform, fair und legitim, und welche Effekte haben sie auf wen?
Hypothese: ein Antrag durchläuft folgenden Pfad. Pre-Screen, Phasen-Check, einer von vier Vergabemodi, SROI-Bewertung, Auszahlung, Monitoring. Re-Investment-Schleife möglich.
Drei zu prüfende Mechaniken zur Akquise von Mikroinvestor:innen. Vergleich entlang dreier Achsen: wer Geld einbringt, wer teilnimmt, wer gewinnt. Stand: in Diskussion.
Loskauf ist verpflichtend, wer kauft, gewinnt.
Alle erhalten ein kostenloses Los, 5 % spenden zusätzlich in den Topf.
Externe Geldgeber:innen finanzieren, nur die Zielgruppe spielt mit.
Beide vergeben in einem anderen Kontext als wir, beide liefern belastbare Lernpunkte. Eines zeigt, wie Verlosung auf Millionen Teilnehmende skaliert. Das andere zeigt, wie Zufall und Fachjury sich ergänzen, ohne sich gegenseitig zu entwerten.
Bedingungslose Vergabe, gemeinnütziger Verein, seit 2014.
Rund 1,1 bis 1,2 Mio. registrierte Teilnehmer:innen, 2.343 Gewinner:innen in zehn Jahren, 12.000 € pro Verlosung (1.000 € × 12 Monate). Die DIW-Begleitstudie 2025 zeigt: keine Arbeitsmarkt-Rückzüge, rund ein Drittel der Empfänger:innen sparen, knapp 8 % spenden weiter.
Lernpunkt für uns: Verlosung skaliert auf Millionen Teilnehmende, wenn die Beitragslogik niedrigschwellig und die Gewinner:innen-Story erzählbar bleibt.
Teil-randomisiertes Verfahren in der Forschungsförderung, seit 2017.
Zweistufige Vergabe: zuerst Jury-Begutachtung, dann Verlosung „aus den zum Programmziel passenden und qualitativ uneingeschränkt förderbaren Anträgen". Der Zufall greift also erst nach inhaltlicher Qualitätsschwelle, nicht davor. Ziel laut Stiftung: „mehr Diversität in den Gefördertenpool" und bessere Chancen für risikoreiche Forschung. Begleitforschung 2018 bis 2022 (Röbbecke und Simon, „Beiträge zur Hochschulforschung" 2/2023) berichtet hohe Akzeptanz bei Antragstellenden und Gutachtenden.
Lernpunkt für uns: Zufall und Fachurteil schließen sich nicht aus. Die Reihenfolge entscheidet: Qualitätsfilter zuerst, Los danach, schützt vor Beliebigkeit und mindert Bias.
Aus dem u-institut-Konzept-PDF (Entwurf 2024-08, S. 5 bis 7). Drei Diagramme zeigen, wie klassische Vergabe-Verfahren strukturelle Benachteiligung verstärken und wie ein Zufallsverfahren genau hier eingreift.
Drei Ressourcen verstärken sich selbst, Scheitern wird als Lernerfahrung verbucht. Der Kreislauf bricht nicht ab.
Fehlende Ressourcen führen zu schwächerer Bewerbung. Scheitern verstärkt die Verunsicherung, mangelnde Vorbilder hemmen erneute Teilnahme.
Die Zufallsauswahl entkoppelt die Vergabe-Entscheidung vom Ressourcen-Niveau. Der Gewinn ermöglicht erstmaligen Zugang zu Netzwerk, Bildung und Finanzen, aus dem Teufelskreis wird die positive Dynamik, die sonst nur mit privilegiertem Hintergrund einsetzt.
Diagramme aus dem u-institut-Konzept-PDF, S. 5 bis 7. Volltext im verlinkten Dokument in der Materialien-Liste auf der Exploration-Übersicht.
Lotterie-basierte Vergabe existiert in Europa in drei klar abgrenzbaren Bereichen. Eine mehrsprachige Suche (DE, EN, FR, ES, NL, IT) plus Gegencheck gegen die Förderdatenbank des Bundes hat im vierten Bereich, der Unternehmer:innen-Förderung, kein einziges etabliertes Programm gefunden.
Für Unternehmer:innen-Förderung per Lotterie oder Zufallsverfahren gibt es in Deutschland und Europa derzeit kein etabliertes Programm. Was der Unternehmer:innenfonds vorhat, wäre europaweit präzedenzfrei.
Diese Unterseite gehört zur laufenden Exploration. Sammelpunkt für Recherche, Termine, Materialien und Diskussionen zu diesem Baustein. Inhalt entsteht gerade. Bei Interesse an Mitarbeit oder Einsicht: kurze Nachricht genügt.